Poesie Kategorie Sinniges

Sinniges - Seite 4

 

              

 


© Stefan Keller/Pixabay

DUNKLE VERGANGENHEIT

Erinnerung entweiche doch,
du bist kein Hort der Liebe.
Besser ein Gedankenloch,
als eine Welt voll Hiebe.

Trümmerfelder ziehn vorbei,
der Tod in allen Gassen.
Jeder Blick ein Hilfeschrei,
das Elend zu verlassen.

Hungersnot herrscht überall,
entsetzt sind Kinderaugen.
Angst bei jedem Bombenknall,
will die Seele rauben.

Entwurzelte von überall,
beschwören nun den Frieden.
Da kommt der nächste General,
hat neues Leid entschieden.

 

BROT FÜR DIE WELT

Schwere Luft an Sommertagen.
Ernte wird jetzt eingefahren,
Stoppelfelder goldgelb strahlen,
Lohn für alle Müh'n und Plagen.

Bauernseele ist zufrieden.
Scheun' und Tenne prall gefüllt
mit Gottesgaben, sind gewillt,
den Hunger zu besiegen.

Müller, Bäcker sind bestellt.
In ihren Mauern reift perfekt,
am Ende nun das Großprojekt
und fertig ist: Brot für die Welt.


©Philippe Ramakers / Pixabay

 


© Dayron Villaverde/Pixabay

DANKE LEBEN

Sind wir vom Glück besessen?
Lifestyle, Werbung, Medien,
alle, alle predigen,
versuchen uns zu stressen.

Du mußt jung sein,
du mußt  schlank sein,
du mußt beliebt sein,
darfst nicht krank sein.
Du mußt schlau sein,
du mußt  loyal sein,
du mußt smart sein,
darfst nicht arm sein.

Bist politisch, religiös konform
und sexuell nicht aus der Norm.
Bist satt und froh in einem Heim,
mit Familie, nie allein.
Bist emphatisch und kannst geben,
nimmst teil am kulturellen Leben.

Nichts davon ist selbstverständlich,
ja - das Leben sogar endlich.
Wann bleibt eigentlich noch Zeit,
für ein Quantum Dankbarkeit?

 

NEULAND

Wenn es dich erwischt,
dein Lebenslicht erlischt,
sei nicht allzu sauer.

Schon viele, viele waren,
vor dir dran seit Jahren,
sind inzwischen schlauer.

Ist die Furcht auch riesengroß
diesen Schritt wirst du nicht los,
den Sprung über die Mauer.

Wie bei vielen Sachen
mußt die Erfahrung selber machen,
dann weißt du es genauer.

Ist es paradiesisch dort,
willst da keinesfalls mehr fort,
so lohnt gar keine Trauer.


© Christian Dorn/Pixabay

 


© Pixabay

WEHRPFLICHT

Ich denk an mein Gelöbnis,
das ich der Fahne gab
und leider beim Kommiss
die Unschuld mir verdarb.

Ich denk an mein Erlebnis,
mit Kamerad im Dreck,
von dem Druck der Feindnis
und dem Sturmgepäck.  

Ich denk an die Erkenntnis:
Im Frieden Waffen schweigen.
Despot heuchelt Verständnis:
... und das soll auch so bleiben!

Ich denk beim Staatsbegräbnis
der gefall'nen Kameraden,
bei aller Pietätnis:
Etwas zweifeln kann nie schaden.

 

POINT OF NO RETURN

Wann endet wohl die Endlichkeit,
wo liegt der ‚Point of no return‘?
das wüßten wir wohl alle gern,
doch wäre das gescheit?
Laßt uns lieber weiter hoffen
und ganz im Bequemen,
das Dasein selbstverständlich nehmen,
so ist der Schluß weit weg und offen.
Kommt der letzte Augenblick
überraschend und im Nu,
schau nicht mehr zurück,
mache deine Augen zu.
Was war, das war,
was ist, das ist,
der Moment, schon lange klar,
der nun gekommen ist.
In wohlig warmen Lüften schwebt
die Seele nun von dannen,
aufwärts sie zum Himmel strebt,
auf goldenen Flügelspannen.
Dennoch wiegt die Wehmut schwer,
das Ende eines schönen Lebens,
bitten, betteln ist vergebens,
es gibt keine Wiederkehr.


© craigtowens

 


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VON JUNG UND ALT

Ein Säugling nach dem Leben giert,
sich gar an Ammenbrüsten nährt,
wird auf Entdeckungsreise gehen,
das Leben lernen und verstehen.
Ein Kindsgemüt ist sorgenfrei,
ihm ist das Morgen einerlei.
Ein Jugendlicher ungeniert
das Reifer-werden sinnlich spürt,
wird bald in Konkurrenz zu Alten,
seinen Lebensweg gestalten
und selbstverliebt, volljährig wissen,
das Ganze hier, ist doch beschissen.
Erst mit weiteren Reifejahren,
wird er durch Aufs und Abs erfahren,
vom bunten Spiel, was Dasein heißt,
wo Schicksal wie ein Geier kreist.
Erwachsen und in Lebensmitte
verantwortlich für sich und Dritte,
entscheiden sich viele Gefühle
und dereinst gesteckte Ziele.
Dem alten Mensch rast seine Zeit,
Versäumtes steht nicht mehr bereit
und Inventur, was ist, was war,
ist nicht immer sonnenklar.

Eine Frage steht im Fokus doch:
was kommt nach dem Ende noch?

 

HAND IN HAND

Nimm mich an die Hand,
geh’n wir in ein fernes Land,
weit, weit hinterm Horizont,
wo Ewigkeit und Friede wohnt.

Begeben wir uns auf die Reise,
zu geheimnisvollen Plätzen,
mit neuen Werten und Gesetzen,
entschwinden still und leise.

Hinter uns, die Tore schließen,
wir weichen ohne Frust und Groll,
war unser Dasein noch so toll,
es gibt kein Weg zurück, zu diesem.

Vielleicht wartet schon im neuen Reich,
noch etwas schön’res, märchengleich,
das Hoffen darauf verleiht Mut,
Hand-in-Hand wird alles gut.


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WORTGEWALT

Nur ein paar Worte
sind es gewesen,
von jener Sorte,
von den bösen,
die dich verletzen, wie
Schläge ins Gesicht,
wie Tritte ins Knie,
verlorenes Gleichgewicht,
verschwundene Harmonie.
Jetzt müssen neue her,
bloß ehrliche und wahre
selbst die haben es schwer
und brauchen oft Jahre.
Stets bleiben nach Wunden,
nach allerlei 'Darben',
wenn diese verschwunden,
noch immer tief die Narben.

 

DAS KLEINE "m"

Füge Scherz ein kleines ‚m‘ hinzu,
schon verstummt dein Lachen,
werden ernst die tollsten Sachen,
es verpufft der größte Clou.

Der Wehlaut wird dein Attribut,
die ewig gleiche Leier,
umgibt dich wie ein Schleier,
verdirbt den Lebensmut.

Der Ruf eilt dir schon weit voraus,
das Getuschel wird bald dreister:
Da kommt der Jammer-Meister
und eilt von Haus zu Haus!

Überrasch uns doch, trotz alledem,
bei so vielen guten Lebensdingen,
kann ein Lächeln dir gelingen,
nimm dem Schmerz das kleine ‚m‘.


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NIEDERSCHLÄGE

Usselig - sagt Volkesmund,
wenn es aus dunkler Wolke Schlund,
heftig speiht und prustet,
der unheimliche Himmelshund
scheinbar kränklich hustet.

Da weht es dir den Hut vom Kopf
und mit regennassem Schopf,
spürst du wilde Kräfte toben,
bist leider nur ein armer Tropf
und machtlos gegen die (das) von oben.

So usselt es mich mehr und mehr,
selbst bei Sonnenschein schon sehr,
über Vieles, was in dieser Welt,
freudlos und gar sorgenschwer,
auf mich am Boden niederfällt.

 

MILAN MACHT'S

Was denkt der Milan droben?
Die Mäuse drunt im Stoppelfeld?
Wie ist das Leben doch zu loben,
frei und schön ist diese Welt?

Menschen sind Millionen Mäuse
und das Schicksal über uns.
Dies öffnet seine Schleuse
ganz nach Zufall, nicht nach Gunst.

Den einen wird es treffen,
der andere kommt davon,
so sind die Regeln eben,
im Überlebensmarathon.


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VON DER FLÜCHTIGKEIT

Schnell vorbei die goldene Stunde
voller Zauber und Fortune,
ein Genuss jede Sekunde,
jeder Augenblick so schön.

Oh, wie flüchtig jenes Glück,
nur ein Wimpernschlag der Welt,
der kommt nimmer mehr zurück,
halte fest dir den Moment.

Ein Blinzeln bloß, der Ewigkeit,
überfordert unsern Menschengeist,
ein Leben in und mit der Zeit,
für uns alle Schicksal heißt.

 

MEER DER PHANTASIE

Es dümpeln die Gedanken,
wie ein Segelboot auf glatter See.
Es warten Besan und Spanten,
auf das etwas gescheh‘.
Es erhebt sich eine Brise,
frischt auf zum Rückenwind.
Es ist, als ob jemand bliese,
zu helfen Menschenkind.
Es kommt wahrhaftig Land in Sicht,
das Boot ist heil im Hafen.
Er schrieb soeben dies Gedicht,
der Kapitän - kann ruhig schlafen.


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LEBENSLANG

Markiert die Liebe ihr Revier,
können Menschen nicht dafür,
verlieren machtlos, völlig ohne
Chance, gegen die Hormone.

Ledig sind die meist zuvor,
unbeschwert und voll Humor,
doch die Beziehung, toll und schön,
wird nicht ohne Kummer gehn.
Lediglich ein falscher Blick,
ein erotisch‘ Missgeschick,
schon geht Innigkeit zu Bruch,
Eifersucht ist wie ein Fluch.
Erledigt Herzverbundenheit,
und vertraute Seligkeit.
An ihre Grenze, Einflußzone,
stoßen da auch die Hormone.
Entledigt aller Herzensbande
sind viele Paare hierzulande,
im siebten Jahr endet ihr träumen,
ahnungslos, was sie versäumen.


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TAG VATER, VATERTAG

Vater, oh Vater! In der Weltenwende,
braucht‘ ich deine starken Hände,
die mich einst in frohem Toben,
jauchzend hinauf zum Himmel hoben.

Vater, oh Vater! In Sorge und Harm,
sehnt‘ ich mich nach deinem Arm,
nach all dem Leben voller Spaß,
als ich auf deinen Schultern saß.

Vater, oh Vater! Nach misslicher Tat,
sucht‘ ich noch immer deinen Rat,
hast mir damit stets unbemerkt,
meinen jungen Rücken gestärkt.

Vater, oh Vater! Bist du auch fern,
gedacht‘ hab ich deiner immer gern,
hast mich gezeugt und geprägt,
mein heutiges Wesen angelegt.


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TAG MUTTER, MUTTERTAG

Mutter, ich komme aus dir,
Mutter, ich hänge an dir,
du hast mir das Licht gezeigt,
in einer schwierigen Zeit.
Nach dunklen Jahren zurück
fand dein Herz neues Glück
und neue Heimat zugleich,
die war für immer dein Reich.

Mutter, ich komme aus dir,
Mutter, dann meine Schwester, mit vier.
Du hattest Nerven aus Stahl,
Frauenrechte noch eine Qual.
Ohne Job und eigenes Geld,
stets auf den Mann eingestellt.
Doch hattest du stets die Kraft
und es später alleine geschafft.

Mutter, ich komme aus dir,
Mutter, ich bin ein Teil von dir.
Dein Augenschein ist nun fern
und Schwesterchen auch ein Stern,
ich bleibe lebend zurück
und danke dir für mein Glück
und einst, in einem ferneren Land
nimmst du uns wieder an die Hand.
    (inspiriert von: Bochum/H.Grönemeier)


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