Poesie Kategorie Fauna & Flora

Fauna & Flora - Seite 2

 

              

 

SCHMAROTZERTUM

Der Selbsterhaltungstrieb der Zecken
kann bei uns starken Unbill wecken.
Zumal das heimlich, still und leise
und auf hinterhält’ge Weise,
bei uns Menschen ungespürt
zu einer Blutentnahme führt.
Der Parasiten-Lebensstil
verbreitet dann ein Juckgefühl,
das dann leider oft zu spät
die Tierchen-Nähe uns verrät.

Drum das Fazit dieser Zeilen,
juckt’s dich mal, nicht gleich beeilen
mit Waschen der betroff‘nen Ecken
- vielleicht sind‘s bloß die Zecken.

 

SOMMERGLUT

Im kühlen Schattengrün,
die Sommerhitze flirrt.
Einzelne Wolken ziehn,
wie im Azur verirrt.

Es weht Saharaluft,
ein Hauch von Afrika.
Würzig scheint ihr Duft,
mit gelber Patina.

Im leisen Stimmungsmoll
die Siesta der Natur.
Nur ein dummer Troll
wagt sich jetzt hervor.

Getüncht mit Apathie
wird jede frohe Stunde.
Da erscheint wie Poesie
der Tiefdruck 'Adelgunde'.


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UNKENRUFE

Im Teich, da wird es eng,
zu viele sind am quaken.
Ich such mir ein Terrain
mit meinen eignen Schnaken.
Die aufgeblasenen Typen
in meiner Nachbarschaft,
sind schleimige Polypen,
glibbern nur im eignen Saft.
Dicke Muckies an den Waden
im Hirn nicht einen Funken,
möchte meiner Art nicht schaden
und höre auf zu unken.

 

UNWETTER

Wolkenberge stapeln schon,
schwarze Front in Formation,
fernes Grummeln kündigt an,
den allgemeinen Wetterplan.
Tageslicht wird aufgesaugt,
Natur in bleierne Stille taucht.
Sommerwinde frischen auf,
wirbelnd tanzt das alte Laub.
Greller Schein im Augenlicht,
Donnerschlag die Ruhe bricht.
Wolkentore öffnen Massen,
Wasserflut entert die Gassen.
Noah's Arche wär ein Wunder,
unsere Stadt ist nun 'Land unter'.

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VOM HIRSCHRÖHREN

In der Brunft kann man das Röhren
der Hirsche aus dem nahen Wald,
nur mit Mühe überhören,
obwohl es nicht für uns erschallt.
Hier geht es vielmehr in der Frühe,
bei den Rivalen ums Pläsier
und darum, wer bekommt die Kühe
und wer ist der Verlierer hier.
Stolz wird gekämpft mit dem Geweih
und manchmal macht die Wut so blind,
dass zwei Tiere sich dabei
verhakten und gestorben sind.
Dies Risiko ist ein bekanntes,
hier überwiegt meist das Gefühl
auf Kosten des Verstandes,
für das große Paarungsziel.
Zwar verstehe ich bislang
den Wunsch nach jungen Rehen,
doch keinesfalls den Zwang
nach einem Dutzend Ehen.

 

VON DER MÜCKE

Am Fenster sitzt die Mücke,
ich bin am überlegen,
soll ich sie zerdrücken
oder ihr vergeben?

Sie hat den Tod verdient,
der vielen Stiche Lohn,
nun sitzt sie da und grient,
na wart, ich komme schon.

Das glaube ich jetzt nicht
und schreit nach neuem Kummer,
drüben hockt im Sonnenlicht,
ein dicker, schwarzer Brummer.

Abrupt vergesse ich die Mücke,
der Brummer ist in Not,
was des einen Glücke,
ist des andern Tod.


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VORFRÜHLING

Winter ade,
vorbei Eis und Schnee.
Sonne wärmt wieder
Gemüter und Glieder.
Gezwitscher klingt froh,
erstes Rascheln im Stroh.
Neues Leben erwacht,
frisch und grün über Nacht.
Wir jubilieren verfrüht,
ahnen nicht was uns blüht.

 

WIE GESPONNEN - SO ZERRONNEN

Die Spinne baut geschickt ihr Nest,
wenn man sie es bauen läßt.
So ist in einer Menschenkammer
das Spinnenleben gar ein Jammer.
Hat sie grad ein Netz gelegt,
wird bald drauf es weggefegt.
Darum gilt in diesem Sinne,
das Dasein einer Wohnraumspinne
nicht gerade als famos,
da doch meistens obdachlos.
So zieht sie lieber in den Wald,
spinnt dort ihr Ding alsbald,
ohne das der Mensch empört,
diese Kunstwerk gleich zerstört -
und am Morgen glitzert Tau
in ihrem Netze silbergrau … .


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BEGEGNUNG AM SEE

Es lauert Meister Fuchs auf Beute,
ihm ist nach Geflügel heute
und unten am Gestade
baden junge Schwäne grade.

Doch Mutter Schwan schwant hier nichts Gutes,
sie sieht den Fuchs und denkt: der tut es.
Drum nichts wie raus auf’s Binnenmeer
- das fuchst den Fuchs am Ufer sehr.

 

VORAUSGEPRESCHT

In weiß gehüllt, im Frost erstarrt,
die eigne Scholle nun verharrt.
Die Äste kahl von Busch und Baum,
der Winter hält das Grün im Zaum.
Im Schneckenhaus steckt die Natur,
wartet auf den Frühling nur.
Vorausgeprescht mit dem Entschluss
blüht beherzt die Zaubernuss.


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WIRKLICH STUR

Es pfeift der Regenpfeifer
sein Regenpfeiferlied,
er tut's mit grossem Eifer,
wird dabei gar nicht müd.

Setzt sich dann die Sonne durch,
das Wetter schön und heiter,
ist ihm das völlig schnurz
und er pfeift einfach weiter.

 

TROCKENZEIT

Warten auf Gewitter,
Luft schmeckt bereits bitter,
Flimmern über Dächern,
Hochbetrieb bei Fechern.
Hitze schmilzt den Teer,
viele Brunnen leer.
Staub fliegt hinterm Pflug,
Ernte wird Betrug.
Wälder knisternd flehen,
Feuer soll vergehen.
Tiere hechelnd fluchen,
Schattenplätze suchen.

Donnerhall am Horizont,
Warten hat sich doch gelohnt.
Herzen voller Hoffnung klopfen,
Staubig platzen erste Tropfen.


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ALLE JAHRE WIEDER

Die Sonne bereits herbstlich schaut,
ihre Wärme geht noch in die Haut.
Von Norden doch, der Wind bringt Kühle,
vorbei die Sommer­sonnen­schwüle.

Bunte Kleckse zeigt der Wald,
es lichtet sich das Blattwerk bald
und Früchte rieseln nun zuhauf,
der Clevere füllt sein Lager auf.

Nach üppig Füllhorn der Natur,
steht karge Winterzeit bevor,
wer diese Hürde meistern kann,
der fängt im März von vorne an.

 

EINZELKÄMPFER

Die Weide drunt' im Wiesengrund,
sie trauert wohl noch immer,
doch so langsam, Stund um Stund,
zeigt sich ein grüner Schimmer.

Der Lenz beweist all seine Macht
und tot geglaubtes Holz erwacht.

Verschwunden nun das kahle Haupt,
frisches Grün schliesst jede Lücke,
so rasch hat keiner das geglaubt
und fertig ist die Blatt-Perücke.

Gewonnen ist jetzt diese Schlacht,
im Wiesengrund strahlt deine Pracht.


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UNGLÜCKSRABE

Du bist gesellig und recht klug,
schaust den Bauern hintern Pflug,
um gewandt auf schwarzen Schwingen
deine Ernte einzubringen.

Du folgst den Menschenhänden,
bis in Mythen und Legenden
und wer's gern abergläubisch mag,
hat einen rabenschwarzen Tag.

 

AUF DEM HÜHNERHOF

Es pickt und scharrt das Federvieh,
pudert sich im Staube,
sinniert und gackert in der Früh,
blickt recht naiv, ich glaube.

Der rote Kamm, mal links mal rechts,
wippt lustig gar als Krone,
doch kräht der Chef dann allerdings,
herrscht Achtung in dieser Zone.

Wachsam auf dem Berge Mist,
er überm Harem thront,
denn das Idyll zerstörend ist,
wenn der Habicht kommt.


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AUFBRUCHSTIMMUNG 2

Noch liegt still die Krume,
bündelt ihre Kraft.
Noch schlummert eine Blume
in ihrer Zwiebel Saft.
Kaum taut das letzte Eis,
Licht und Wärme fluten,
da beginnt wie zum Geheiß,
das Leben sich zu sputen.
Der Wettlauf stets auf's Neu,
wer hat die Nase vorn,
was ist Weizen, was ist Spreu,
wen nimmt das Pech auf's Korn.
Der Mutige schreckt nicht zurück,
versäumt nicht seinen Start
und rettet so mit etwas Glück,
seine eigene Art.

 

FRÜHLINGSFORMATION

Lang und tief die Winterzeit.
An endlos dunklen Tagen,
stellt Dasein düstre Fragen.

Was steht für uns bereit.
Die Zukunft liegt im Nebel,
im Herzen noch ein Knebel.

Es zieht herauf die Helligkeit.
Langsam lösen sich die Fesseln,
taub sind schon alle Nesseln.

Im Sonnenlicht liegt Seligkeit.
Vollendet nun das Frühlingsglück,
die Kraniche kehren zurück.


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GLÜCK GEHABT

Komm du kleine Schnecke,
heraus aus dem Verstecke,
ob mit, ob ohne Haus,
komm da endlich raus.
Auch wenn dir das nicht schmeckt,
ich hab dich längst entdeckt.
Wo du gerade bist auf Tour
verrät mir deine Silberspur,
bist schnell noch weggezischt,
sonst hätt‘ ich dich erwischt.

 

DER FINGERZEIG

'Ach du meine Güte,
der Garten voller Fingerhüte!'
Die Frage ist, vielleicht zu spät,
wer hat euch hier bloß ausgesät?
Wild verstreut, nicht in der Reih',
hier sind's fünf, da stehn nur zwei,
bunte Ruten, blütenschwer,
wiegen sich im Takt umher,
zeigen mahnend auf dich zu,
so wie der Finger: du, du, du!
Sei beruhigt, aus meiner Sicht,
ein Stinkefinger ist es nicht!


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BÄRENHUNGER

Meister ‚Petz‘ streift durch den Wald,
bei ihm bleibt heut die Küche kalt.
Ob Brom-, ob Him-, ob Heidelbeeren,
die will er vorrangig verzehren.
Es reizt kann Fleisch und auch kein Fisch,
auch kommt kein Honig auf den Tisch.
Es ist nun einmal Obsttag heute
entsprechend klein ist da die Beute
und die Büsche sind bald kahl,
da wird das Sattwerden zur Qual.
Denn wir vergessen glatt,
das er ja ‚Bärenhunger‘ hat.