Socials - Seite 6

GLAUBEN; WISSEN; SEHEN

Wenn Kirchenglocken rufen
oder der Muezzin vom Turm,
Gläubige eilen zu den Stufen,
von ihrem Heiligtum.
Liegen dort devot im Staube,
senken andächtig den Blick,
denn beherrschend ist der Glaube,
unbedeutend ihr Geschick.
Uralte Regeln und Gebote
seien göttlicher Natur,
das schreiben Religionen
den Anhängern so vor.
Es verwundert nicht indessen,
der moderne Mensch im Glauben,
vertraut immer mehr dem Wissen
und seinen eignen Augen.

TAUWETTER

Es war einmal - der Schnee von gestern,
die helle Tünche war bestellt,
verdeckte beide böse Schwestern,
Missgunst und den Hass der Welt.

Nun taut die weiße Unschuld weg,
offenbart uns was darunter liegt,
sichtbar sind Morast und Dreck,
die es dort schon lange gibt.

Was bleibt, ist endlich aufzuräumen,
Schluss mit derart Quälereien,
wir sollten keine Zeit versäumen,
oder es muss kräftig schneien.

AUFSCHIEBERITIS

Ich habe wirklich dran gedacht,
den Termin schon lang vor Augen,
doch kommt eine fremde Macht,
muß ein Kompromiss nun taugen.

Warum bloß, um Himmels Willen,
übers Knie die Dinge brechen,
kann man nicht ruhig und im Stillen
über alles nochmal sprechen?

Ein Tag später, meine Güte,
davon geht die Welt nicht unter.
Hast und Eile, alte Hüte,
zieh‘n nur die Moral herunter.

Ich verspreche, liebe Leute,
quasi umgehend und prompt,
die Sache für erledigt heute,
wenn nichts mehr dazwischenkommt.

HOHE DIPLOMATIE

Zwei Scharmützel trafen sich,
um endlich mal zu sprechen.
Das klang sehr absonderlich,
man wollte sich ja rächen.

Schnell jedoch war beiden klar,
was zwischen ihnen schwelte,
war aufgebauscht und sonderbar,
ein wahrer Anlaß fehlte.

Verflucht die Intrigantenschar,
die über Jahre tätig war,
für eigene Interessen nur
auf ein falsches Feindbild schwor.

WEIHNACHTSTRAGIK

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,
die fielst in frühen Morgengrauen.
Bist entwurzelt und gefangen,
uns ins Netz gegangen.
Sollst fixiert zuhaus' beizeiten,
Besinnlichkeit bei uns verbreiten.
Bepackt mit Tand und Plunder,
stirbst du dann doch, kein Wunder.
Die Tragik an der Geschichte,
du bist meistens eine Fichte.

WEICHE WEIHNACHT

Wind schüttelt den kleinen Baum,
die Weihnachtsdeko hält sich kaum.
Rote Schleifen zappeln aufgeregt,
wenn das Astwerk sich bewegt.
Silberkugeln, Sterne winken,
Lichterkette läßt sie blinken.
Die Sternenspitze droben bangt,
wenn in den Böen alles schwankt.

Dicke Tropfen auf dem Fensterglas
bilden lange Schnüre aus,
immer neue drängen heran,
knüpfen Perlenglasvorhang.
Flüssigschnee rieselt’s zur Stund,
das gibt zu großer Sorge Grund.
Bleibt der beladene Weihnachtsschlitten,
in all dem Moder vielleicht stecken?

GEDANKENSPIEL

Es geistert umher ein Gedanke,
er bleibt nicht lange am Ort,
huscht mal von hier nach dort,
versteckt hinter einer Schranke
und dort in seinem Revier,
spielt er sein Spielchen mit mir,
wenn ich denke, ich krieg dich doch,
dann ist da dieses schwarze Loch.
Doch plötzlich zu meinem Glück
entdecke ich sein Versteck:
Hab ich dich endlich erwischt,
du kleiner Taugenicht,
das machst du nicht mehr mit mir,
ich bring dich jetzt zu Papier!!

JAHRES-ULTIMO

Kalender, Kalender,
mein Lebenszeitenspender,
dir geht es in diesen Tagen,
deutlichst an den Kragen,
abgerissen, sichtlich schlapp,
schaust du auf mich herab.
Ein einzig Blatt noch hängt,
das letzte Stunden schenkt,
bevor dies Jahr, mit viel Tamtam,
zur Geschichte werden kann.
War auch nicht alles pures Glück,
wehmütig schauen wir zurück,
versinkt doch die gelebte Zeit,
im Schlunde der Vergangenheit.

Obwohl,
Hoffnung macht sich breit,
dein Nachfolger liegt schon bereit.

DER FLUCH

Leere Blätter füllen,
danach enttäuscht zerknüllen.
Manisch ist dieser Drang,
wie ein innrer Zwang.
Doch ab und an ein Blatt,
bleibt wohl bedacht und glatt,
wird wie ein Schatz gehütet
und zur Verwendung eingetütet.
Am End führt dieser Fluch,
gar zu einem Taschenbuch.

ZU SILVESTER

365 Tage,
davon viele eine Plage,
doch im Rückblick, usw.,
waren einige auch heiter.
So mußte man bei manchen Sachen,
tatsächlich auch ein paar Mal lachen.
Drum war das Jahr keineswegs fade,
eher wie Zitronenmarmelade,
bitter und doch süß zugleich
und auch nicht schlechter im Vergleich,
mit vielen anderen Kandidaten,
die uns das Ende ‚raten taten‘.

Allen Verschwörern meinen Gruß,
WIR bestimmen nicht den Schluß.
Eines ist klar, wie Klosterbrühe,
Zukunft beginnt - morgen in der Frühe.

DER TAG "X"

Es ist auch bei uns Poeten (Pöten),
der letzte Tag vonnöten.
Die Natur hat‘s eingerichtet,
daß da keiner ewig dichtet,
zum Glück bleibt aufgeschrieben,
was wir so im Leben trieben,
auch von mir, wenn ich er-blasse
und für alle mein Erb-lasse.

VOM GLÜCK

Schaue nicht nach falschen Götzen,
nach Glamour, Geld und Possenstück,
das wird dir nur wenig nützen,
ist doch alles Pseudo-Glück.

Suche nach den kleinen Dingen,
nach dem Glück am Wegesrand
und dem Lächeln eines Fremden,
nach der liebevollen Hand.

Finde in den Daseinswirren
zur Seelenharmonie zurück,
gute Herzen selten irren,
das ist wahres Lebensglück.

IGEL-LEISTUNGEN

Zwickt es dich mal im Leben,
hast du Ping und Zahneweh,
sagt Doktorchen: Oh je, oh je,
das richten wir mal eben!

Es klimpert leicht metallisch
aus seiner Ärztetasche,
ich werde bleich wie Asche
und innerlich rebellisch.

Der Klang von Skalpell und Klammern
bringt mich sofort zum jammern,
aber es sind bloß die Taler,
der vielen Selber-Zahler.

VON DER TÜNCHE

Wenn Puderzucker niederfällt,
erstrahlt in weiß die Düsterwelt.
Übertüncht sind alle Schatten,
Sorgen, die wir grad noch hatten.
Geblendet ist der Augenschein
vom Glanz der Unschuld obendrein,
obwohl doch jeder weiß Bescheid,
drunter verbirgt sich manches Leid.
Dies wird sich zeigen, altvertraut,
wenn alsbald es wieder taut.

WENN REISEN BILDET

Vertraulich man darauf verweist,
‚jener‘ Mensch sei weit gereist!
Er wird dann allen vorgestellt,
das ist unser Mann von Welt.
Der Gemeinte pflichtet nickend bei,
daß Reisen voller Bildung sei,
und Erkenntnisreichtum dazu führt,
daß man zum Weltgelehrten wird!
Vom großen Horizont, zumeist,
träumt ja Natur und schwärmt der Geist
und ‚jener‘ selbstverliebt verkündet,
er selten Gleichgesinnte findet,
und leider träfe zu es eben:
die meisten können nie mitreden.

Fazit:
Gelegentlich, so hat‘s den Schein,
bildet Reisen sogar ein.

VON JOEY UND FURY

Es ist ein Roß entsprungen,
mit rappenschwarzem Fell,
ist frei, zu nichts gezwungen
und wie der Blitz so schnell,
So liebt er die große Ferne
bis zum weiten Horizont
und hilft dennoch gerne,
wenn sein Vertrauter kommt.
Der ruft hinaus in die Prärie,
schon ist der Rappe vis-a-vis,
bremst wiehernd seinen Schritt,
„Wie wär‘s mit einem kleinen Ritt?“
fragt Joey jedesmal geschickt,
die Mähne fliegt und Fury nickt.

VON DER SCHMACHT

Viele plagt ein Suchtproblem,
Das Thema ist nicht angenehm.
Gern verschwiegen diese Sorgen,
den Kampf dagegen, lieber morgen.
und bleibt dies alles unbemerkt,
wird das Laster noch verstärkt.
Die Seele glaubt sich nun im Recht,
ist ratlos im Gefühlsgeflecht.
Das wird in Schmachten umgewandelt,
falls es sich um Sehn-Sucht handelt.

IN REHA

In einem unbekannten Land,
das ich hinter Mauern fand,
laufen Krückies allgemein,
mit drittem oder vierten Bein.
Alle Insassen vereint
der gemeine Lebensfeind,
der Handicaps und Makel streut,
was dann nur die Ärzte freut.
So quellen Rollis und auch Krücken
aus allen Räumen, allen Lücken
und schlurfen nun in großer Menge
durch die kahlen, langen Gänge.
Derart suchen diese Meuten
ihren heil’gen Therapeuten,
der mit 'Hand-auflegen' heilt,
was das Schicksal einst verteilt.

DER POKALABEND

Jubel, Trubel in den Hallen,
Gesänge durch die Gassen schallen,
in den Stuben kreischen heute,
ruhige, junge, alte Leute,
Fremde, Freunde allenfalls,
fallen sich gar um den Hals,
David zog unter Applaus,
Goliath‘s Lederhosen aus.
Hoch die Tassen, schäumt das Bier,
der Pokal kommt ins Revier.

VON DER NARRETEI

Wieder ziehen bunte Wagen,
die etwas zu sagen haben.
Sie zeigen Pranger und Kritik
an manch falscher Politik,
halten uns den Spiegel vor
um uns zu beweisen,
jeder ist sein eigner Tor
und nicht im Kreis der Weisen.
Doch der erhob’ne Zeigefinger
geht unter dort, wie stets und immer,
verkannt am jecken Fassnachtstage,
wird allgemein, der Ernst der Lage.

LEBENSMOTTO

Ich soll auf die Zähne beißen,
oder mich am Riemen reißen.
‚Stell dich nicht so an‘,
sprach immer meine Mam,
‚bis zu deiner Hochzeit - fast
all den Kummer du vergessen hast.‘
Sie sollte wirklich Recht behalten,
denn neuer kam dann, für den alten.
Nie ist man wirklich vogelfrei,
ohne Ängste, Sorgen - einerlei,
ob du arm bist oder reich,
das Schicksal macht sich alle gleich.
Nur manchmal glaubt man Jener,
vom Glück Verfolgter, Schöner,
hat alles was man sich nur denkt,
wird das Glück gerecht verschenkt?
Doch glaube mir, hinter Fassaden,
gibts manch traurige Balladen,
da blinkt nicht Gold oder Edelstein,
sondern auch geheime Pein.
Grad auf der Sonnenseite fällt,
ganz viel Schatten in die Welt.
Drum erkenne, was dir beschieden
und sei damit devot zufrieden.

MIT AHAB UNTERWEGS

Der sagenhafte Fisch
dem Käpten oft entwischt.
Doch getrieben von der Rache
ist es seine Herzenssache.
In blinder Wut, verstelltem Blick,
lenkt der Teufel das Geschick.
Er steuert das Boot, samt seiner Crew
einem Riesenunglück zu.
Wenn alle sterben, ist nichts gewonnen.
Bleibe cool und stets besonnen.
Ist die Lage auch noch so fatal,
man hat immer eine Wahl.

DER IGLU-TRAUM

Ein Blizzard draußen tobt,
es heult durch Fug und Ritzen,
die Menschen sturmerprobt,
im Raum zusammensitzen.
Ein kleines Feuer wärmt die Runde,
in Robbenfellen wohlgehüllt,
wilde Schatten in der Rotunde,
tanzen in der weißen Welt.
Der Atem, als ein Nebelhauch,
entschwindet rasch im Dunkeln,
vermischt sich mit dem Feuerrauch,
Personen wispern, munkeln.

Da werd' ich plötzlich wach,
es ist saukalt im Schlafgemach.

WILDNIS

Fürwahr -
leben heißt Gefahr.
Das gilt im Urwald - grün
und auch im Dschungel - grau.
Die Augen hinten sehn,
leider recht ungenau.
Drum hilft es ungemein,
zu deiner Lebensrettung,
sei niemals dort allein,
habe stets Rückendeckung.

MIT MUßE UND MUSE

In Stress und Hektik dieser Zeit,
der Mensch zur Muße kaum bereit,
er muß schon fremd gezwungen werden,
zu Erholungskur und Klosterleben.

Eine Auszeit als exotisch gilt,
sogleich wird Faulheit unterstellt.
Schließlich weiß jeder im Revier:
man wirbelt wie ein Wirbeltier.

Mit Yin und Yang im Gleichgewicht,
das Qi im Leben viel verspricht,
denn ausgeglichen - seelisch reich,
klappt’s mit der Muse auch sogleich.

O-STERN

einst in Bethlehem fern,
Zeichen für heiliges Geschehen,
sollte Jahre später vergehen,
um doch wieder auf zu erstehen,
und das allzeit wieder gern.
Immer zu OSTERN.

INDOOR FRÜHLING

Hinterm 3-fach-Glase sitzt
der Mensch und draußen blitzt,
der blank geputzte Garten.

Kein Piepen oder Rauschen
kann hier sein Ohr erlauschen,
das ist nicht zu erwarten.

Der laue Frühlingsduft
am Fensterglas verpufft,
kann in Nasen nicht geraten.

Das Lenz-Gefühl der Triebe
und aufkeimender Liebe,
kann drinnen so nicht starten.

NEUARTIGER WANDEL

Widerspenstig, lebenswirre,
stets zum Krawall bereit,
so machst du deine Umwelt kirre,
findest keine schöne Zeit.

Doch da wandelt sich der Geist,
etwas reifer nun die Sicht,
kompromissbereit zumeist
findest du im Schatten Licht.

All die Regeln, anberaumt,
waren doch alles Mist,
plötzlich brav, man fragt erstaunt,
warum du ganz neu artig bist.

STADTNACHT

Diffuses Licht in engen Gassen,
Häuserschluchten öd verlassen,
dunkle Stille mystisch schreit,
Herzenssorge macht sich breit,
huschen dort nicht Schatten?
Fiepen da nicht Ratten?
Auf dem nassen Straßenteer,
spiegelt bleiernes Mondlicht her,
Fledermäuse zickzack flattern,
um Freßbares zu ergattern,
da schiebt sich ein Gewölk vors Licht,
das stört die Vampire nicht.
Und ich geh ängstlich weiter ...

VOM AUFBRUCH

Der Mai ist im Kommen,
noch aprilt es hier sehr,
mit Aussicht große Wonnen,
für Natur, Mensch und Tier.

Nach letzter Turbulenz
mit Sonne, Hagel und Regen,
strebt der lebensfrohe Lenz
seinem Höhepunkt entgegen.

Die schon erwachte Natur,
platzt aus ihren Nähten,
bringt Pracht und Fülle hervor,
bei all den Winterasketen.

Die Macht neuen Lebens
und Aufbruch ins Glück,
zeigt, hoffen nie vergebens,
Dunkelheit bleibt zurück.