Schmunzler- Seite 6

SEMISEC

Hier ein Glas und da ein Toast,
er lebe hoch mit einem Prost
und nach dem Essen fragen,
nach Fettverteiler für den Magen.

Kopf in Nacken dann bei Frust
und verlorener Lebenslust,
doch auch als Lohn zur Heldentat,
ist Alkohol bei uns parat.

So herrscht in letzter Konsequenz
gelegentlich die Abstinenz,
abgestillt wird das Verlangen,
radikal wird vorgegangen.

Nur eine halbe Flasche Wein
trank ich gestern ganz allein,
bin stolz und am frohlocken
und fühle mich 'halb-trocken'.

KRONE DER (ER)SCHÖPFUNG

Puh, das war ein harter Tag
An den ich nicht mehr denken mag.
Am Morgen erst den Müll gecheckt
und mittags noch den Tisch gedeckt.
Nach einem kurzem Schläfchen dann,
stand ich im Garten meinen Mann.
Dort habe ich mich fast verschlissen
und einen Bonsai ausgerissen.
Als meine Kräfte danach schwanden
und kurz vor einem Kollaps standen,
erkannte ich die Gefahr und Sorgen,
verschob die Arbeit schnell auf morgen.

OMEN   O - MEN (engl.)

Ischias und ‚Rückenping‘,
ein Ziehen gar zum Herze,
Leistenstiche sind ein Ding,
wandern bis zum Sterze.

Ein Schnupfen streckt dich nieder,
du siehst alles verschwommen,
Hoffnung kehrt nicht wieder,
Notarzt muß erst kommen.

Eine Plage ist Migräne,
drum mittags wird geruht.
Durch’s Haar läuft eine Silbersträhne
und im Auto trägst du Hut.

Auf Sturm stehn alle Zeichen
und das ist alles, was noch steht,
die Symptome stets die gleichen,
wenn ein Mann auf xx* geht.

* variable Altersangabe

A' LA RAPUNZEL

Holdes Fräulein, ich bin so frei,
spiel unterm Fenster die Schalmei
und hoffe sehr, daß mein Gesang,
tief in Herz und Seele drang
und mein Sehnen sie betört,
sodass mein Schmachten wird erhört,
so wünsche ich mit bangem Hoffen,
die Fensterladen sind bald offen,
ihr liebes Antlitz dort erscheint
und mein Auge glücklich weint.
Alsbald ruf ich kess und munter:
Komm - wirf dein Haar herunter!

TÜNNES UND SCHÄL

Die zwei Kölner Witzfiguren,
für Heiterkeit und Frohsinn stehn,
verkörpern lustig jene Spuren
die im ‚Köllschen Hätz‘ aufgehn.
Gegen Kirche und die Obrigkeit,
wettern diese oft zu zweit
und ist’s der Zoten mal zuviel,
guckt der Tünnes auch mal scheel !!!

VOM BLAS

Bohnen, Erbsen, Linsen,
Magen-Darm muss grinsen,
es gilt nun alles zu Vergasen
und still und heimlich abzublasen.
Dies Geschäft ist sehr okkult
und der Esser selber schuld.
War es auch superlecker,
irgendwann kommt Mecker
und die Umwelt rebelliert,
weil der Darm laut ventiliert.

LANDLEBEN

Auf dem Lande, fern der Stadt,
der Landwirt sein Refugium hat.
Er lebt bei Ernte, Fleisch und Schur
von den Zinsen der Natur.
Besonders Nutzviehs Sonderrolle,
hilft beim Leben von der Scholle.
Mit prallem Euter stehen hier,
im Stall die Kühe stramm Spalier.
Das weiße Gold verlässt dabei
die Zitzen Richtung Molkerei.
Der Bauer, stolz und ungehemmt,
DIE Milchstraße sein Eigen nennt.

KEIN UNTERSCHIED

Hoch oben auf der Alm,
da gibt es keinen Qualm.
Da ist gesund Luft
mit Heu- und Blütenduft.
Der alte Senn jedoch,
raucht Stumpen noch und noch,
sag, wo ist der Unterschied
zwischen Alm und Ruhrgebiet?

TROJANER

Apropos Troja,
da lebte ein Pferd
ohne Hafer und Soja,
nur vom inneren Wert.
Sein Aussehen trog mächtig,
das war ja der Zweck,
in Wirklichkeit trächtig
gelang ihm der Gag.
Gebar nun Feinde
und Schrecken und Qual,
drum das Fazit, Gemeinde :
Kauft ‘ne Fire-Wall.

ERKENNTNIS

Mann oh Mann, Mond,
dein volles Gesicht
am Nachthimmel thront,
taghell ist dein Licht.
Was treibst du da bloß,
ich würde gern träumen,
wie in Abrahams Schoss
und da nichts versäumen.
Ich starre hypnotisch
in dein rundes Gesicht
und glaube letztendlich,
das interessiert dich nicht.

AUF ROBBENSCHAU

Salzige Lüftchen streifen
über das Dünenland,
die Augen müssen kneifen,
wider dem wehenden Sand.

Auf einer Sandbank ferne
verschleiert bewegt sich was,
dort liegen die Leiber gerne,
umgeben vom kühlenden Naß.

Es ruhen die Kolosse träge,
robben zum sandigen Nest,
man kommt sich da nicht ins Gehege,
und jedem sein Refugium beläßt.

Der Beobachter hat von Natur
sein Fernglas stets zur Hand,
und liest plötzlich: Frei-Körper-Kultur,
dort - an jenem Strand.

STRANDFRITTEUSE

Die Segge sich im Winde wiegt,
ein Sandkorn plötzlich Flügel kriegt,
der Nackedei liegt auf einmal,
frisch paniert im Dünental
und brennt die Sonne ohne Gnade,
ist bald knusprig die Panade.
Stolz gehts heimwärts unter Schwitzen,
mit dem Sand in allen Ritzen
und Morgen, Morgen liebe Leute,
braten wir die andere Seite.    

WARM UND KALT

Erbarmungslose Sonnenglut
auf mich niederbrennen tut,
ich hüpfe wie ein Känguru
vom Schatten einem Schatten zu,
bin alsbald arg aus der Puste
und denk bei mir so: was tu’ste?
Gönn dir eine Pause
in einer kühlen Klause!

Hab meinen Augen nicht getraut,
dort hatte ich eine Gänsehaut!

HOLLYWOOD

Sie suchen nach Glanz und Glamour,
beim Film und beim TV
und scheitern oft am Dilemma,
ein Sexobjekt, ist meist die Frau.

Es gilt, für etwas Ruhm im Leben,
muß sie dort Körpereinsatz geben.
Drum sagt man in Köln: Oh mi Jott,
dat leevche jeht noh Holy-Fott!

DAS GESCHENK

Perlen und Diademe
standen schon zur Wahl,
dann kamen die Probleme:
die große Qual der Wahl.
Vielleicht lieber einen Ring,
Ohrclip oder Brosche,
oder doch ein Piercing,
an Nase oder ‚Gosche‘.
Vielleicht ein Tattoo überm Sterz,
mit einem Amor Pfeil durchs Herz?

Die Entscheidung schwer, ich denke,
daß ich einen Gutschein schenke.

MORGENSTUND

Der Wecker zeigt 5 Uhr.
Es wäre wider die Natur,
nun das Plumeau zu verlassen,
hinaus auf dunkle Gassen.
Der Klügere bleibt daher Sieger,
legt sein Haupt schnell wieder nieder.

OH-LYMPIA

Ich sitz vor dem TV gebannt
und arbeite mit, ganz angespannt,
im Wettbewerb Dramatik liegt,
nur der Beste unter Besten siegt.
Ich keuche laut, die Lunge bebt,
historisches im Raume schwebt,
Verbissenheit kein Ende kennt,
inzwischen jeder Muskel brennt,
ich kann des Gegners Atem spüren,
muß die letzten ‚Körner‘ investieren,
das Ziel in Sicht, es reicht - grandios,
da reißt es mich vom Sofa los,
die Arme hoch im Jubelschrei,
ich bin vorne mit dabei -
und schau zu Bauch und Hüfte hin,
weil da meine 5 Ringe sind.

KALTWASSER - MYSTERIUM

Es glitzert auf dem Wasser,
die Wellen schaumgekrönt,
das Nass ist heute nasser,
oder ich zu sehr verwöhnt.

Ein kühler Wind landein,
ich friere wie ein Schnieder,
und merk‘, es ist zum schreien,
es schrumpfen alle Glieder.

QUERFELDEIN

Knallgelb nun die Rapse blühen
und wir froh des Weges ziehen,
singen, pfeifen unsre Lieder,
strecken wohlig aus die Glieder
und die Seele schwingt wie nie,
in einer kleinen Rhapsodie.

DES POETEN TÄGL. BROT

Es kommen die Gedanken,
sie wachsen und sie ranken,
sie sprießen und sie keimen,
manches Mal zu Reimen.
Wenn nicht, sind‘s Vagabunden,
Irrläufer, schnell verschwunden,
fallen durch ein Versesieb,
piep, piep, ich hab dich lieb. *

* ist hier noch eben gut gegangen

SPIEGLEIN - SPIEGLEIN

Wenn aus Grübchen Gruben werden,
bist du lange schon auf Erden.
Auch Lachfältchen an den Augen,
nun zu schlechter Laune taugen.
Das Kinn gibts doppelt, allenfalls
und thront an einem Echsenhals.
Der Leib beleibt - etwas zu viel,
für den sportiven Jugendstil
und O-Beine und Hammerzeh,
tun schon beim Anblick weh.
So bleiben von dereinst begehrten,
nur ein paar von inneren Werten.

PALMENFEIGE

Sanfte Brise auf der Haut,
ins Paradies das Auge schaut,
warm und salzig sind die Wellen,
beständig um die Fesseln quellen.

Die Lagune liegt im Silberglanz
und glitzert klar im Wellentanz.
Palmen sanft im Wind sich neigen
und ihre hohen Früchte zeigen.

Da war ich einst hinaufgeklommen,
doch nicht gar so weit gekommen,
schon auf der halben ‚Steige‘,
war ich dann doch zu feige.

GARTEN-ESC

Ich lag im Schatten bei den Bäumen,
wähnte mich in süßen Träumen,
da machten Amseln Riesenkrach
und ich wurde wieder wach.
Monoton gurrt noch ein Taubenmann,
lockt damit seine Täubin an,
mit Tschilp-Tschalp schreien Spatzenkehlen
und ihre Wirkung nicht verfehlen.
Ich bin nun hellwach und verstimmt,
als plötzlich eine Lerche singt.