Socials - Seite 9

VOGELZUG
(vertont)

So wie die Vögel ziehen,
zu ihrer Winterflucht,
so will ich mit dir gehen,
gen Süden an die Bucht.

Dort wartet das Gedenken
an eine goldne Zeit,
als wir uns jung verschenkten,
für ein Leben nur zu zweit.

Die Sonne war unser Zeuge,
der weiche Sand das Bett,
so verliebt waren wir beide,
wie ein himmlisches Duett.

Es kann uns wohl gelingen,
dort wieder froh zu sein
und all die üblen Dinge,
lassen wir daheim.

Drum laß uns heute fliehen,
vergessen unsre Schmerzen,
bald haben wir uns verziehen
und jubeln unsre Herzen.

So wie die Vögel ziehen,
zu ihrer Winterflucht,
so können wir auch gehen
zu unsrer Liebesbucht.

FLUCH DER WORTE

Dir entfleuchen ständig Worte
von feiner und von übeler Sorte,
drum wünschte ich mir sehr,
ich wäre ein Sprachdomteur,
dann kämen die bösen ins Loch,
von den guten wären immer noch
reichlich genug vorhanden,
um froh in meinem Herz zu landen.

DER MOMENT

Wozu dienen Schmerzen?
Du weißt, du bist noch hier!
So danke doch von Herzen
und tränenreich dafür.

Der Moment wird interessant,
wenn’s nicht mehr zwickt und zwackt
und es sagt dir dein Verstand:
jetzt du bist abgekackt.

WAS-WÄRE-WENN-SCHNEEGEDICHT

Wenn es doch nur schneien würde,
das wäre eine große Freude,
alles könnte weiß erstrahlen,
überdecken Harm und Qualen.
Die Kinder würden jauchzend schreien,
ach, könnte es doch endlich schneien.

Alle hätten an dem Schneemann Spaß,
mit Kohle-Augen, Möhren-Nas,
den alten Kochtopf noch als Hut,
auch der Reiserbesen ständ‘ ihm gut.
Die Kinder würden jauchzend schreien,
ach, könnte es doch endlich schneien.

Schneeballschlachten würd‘ es geben,
kalte Finger zitternd beben,
die Wangen und die Ohren glühen,
derweil den Schlitten bergan ziehen.
Die Kinder würden jauchzend schreien,
ach, könnte es doch endlich schneien.

Die Abfahrt jubelnd dann ins Tal
und wieder hoch und noch einmal,
am End dann noch der Schabernack,
Gesicht-abwaschen, Schnee im ‚Genack‘.
Die Kinder würden jauchzend schreien,
ach, könnte es doch endlich schneien.

Dunkelt‘s dann am Schlittenhange,
wird es kalt und etwas bange,
nichts wie heim, am Ofen tauen
und erwartungsfroh auf morgen schauen,
alle würden wieder jauchzend schreien,
ach, könnte es doch endlich schneien.

SUCHE

Gibt es irgendwo auf Erden,
Chancen, um noch froh zu werden?
Klare Antwort ist: vielleicht,
wenn dein Optimismus reicht.

Such also mit viel Akribie
nach der Hoffnung wie noch nie,
zwischen allem Kummer, Sorgen,
ist sie bestimmt versteckt, verborgen.

IM RING

Im Spiel, sowie im Leben,
wird’s Sieger und Verlierer geben.
Manchmal scheint nicht ganz klar,
welcher man von beiden war.
Liegst du im Ring am Boden,
drohen Fäuste noch von oben,
dann ist die Lage offenbar
und momentan nicht änderbar.
Doch ist trotz Wirkungstreffer,
dein ‚Standing‘ einfach besser
und kannst sogar noch lachen,
dann heißt das, Krone richten,
>  weiter machen.

ASCHERMITTWOCH

Lustig wird es allemal,
der Hoppeditz zieht durch den Saal.
Ob Helau oder Halt Pohl,
alle, alle wissen wohl,
es wird gefeiert und gelacht,
wenn er aus dem Schlaf erwacht.
Einige Wochen munteres Treiben,
kann man dem Rheinland durchaus neiden,
ist doch rundum Tristesse normal
und Weltgeschehen eine Qual.
Leider wird am End, wie oft auf Erden,
aus Frohsinn wieder Asche werden.

PROPHEZEIUNG

Sonnenwärme auf den Wangen
und Steineskühle an den Backen.
Der Lenz hat grade angefangen,
kann das alles noch nicht packen,
doch beständig geht’s voran,
vieles braucht noch seine Zeit,
spätestens im Mai sodann,
steht alles dann perfekt bereit,
die Sommerpracht wird uns betören,
und mit ihren Reizen prassen,
wird unsere Lebenslust beschwören,
den Winterblues vergessen lassen
und nicht zuletzt auf warmem Stein,
wird's auch den Backen wohlig sein.

OSTERN - LECKER

Osterhase, Hoppelmann,
spute dich nun sehr,
eile schnell durch Feld und Tann,
mit deiner Kiepe - schwer.

Doch nimm Vorsicht und Bedacht
mit auf deine Touren,
denn deine fragile Fracht,
erleidet schnell Blessuren.

Verstecke rasch ein moosig Nest
mit all den Leckereien,
das Kinder eifrig suchen läßt,
im Ostersonnenschein.

… für alle Schäden beim Transport,
läßt sich die Lösung feiern,
es gibt im Zweifelsfall vor Ort,
einen Salat von harten Eiern.

VOM PETER MIESE

Gar mitten nun im Lenz,
teils eine herbstlich Stimmung,
wohl eine Form von Dekadenz,
wider die Naturverjüngung.

Gerad’ platzt aus allen Nähten,
was bisher lag in Winterhaft,
ob bei den Frühen oder Späten,
es wird getan, es wird geschafft.

Doch es gibt auch die Verdrieße,
die ebenfalls im Frühling stehen,
wenn man sie weitermachen ließe,
sie keinen, einen Lichtblick sähen.

LEBENSHILFE, EV *

Ich glaub, es wird heut lustig,
ich glaub, es wird heut schön,
man sieht schon lebensdurstig,
die Sonne früh aufstehen.

Schon strahlen alle Blüten
in ihrer Farben Pracht,
verschwunden dunkle Mythen,
der vergang’nen Nacht.

Die Natur platzt aus den Nähten
und quellt im Überfluß,
niemand will sich verspäten,
der Dumme sein zum Schluß.

Sag dem Plumeau schnell, adieu!
Reiss dich los vom Laken - jetzt,
Schleich ins Leben, peu a‘ peu,
bevor du das der Allerletzte bist!

* eventuell