Schmunzler - Seite 4
BEIM DARTS
Die Scheibe an der Wand,
die Pfeile in der Hand,
gut vier Schritte nun zurück,
das Bullseye fest im Blick.
Volle Konzentration,
der Wurfarm pendelt schon.
Geschoß verläßt die Hand,
trudelt Richtung Wand,
fliegt anders wie gedacht,
hat Loch in Wand gemacht.
Ich versuchte echt zu treffen,
tat dies jedoch mitneffen*.
* mitnichten reimt sich nicht
DER SPEZI
Beim Blick aufs andere Geschlecht,
die Unterschiede reizen.
Was ‚Mann‘ nicht hat, aber gern möcht‘,
damit soll Frau nicht geizen.
Doch zeigt sie viel, ist das zuviel
und Konkurrenz ist sauer.
Die Phantasie sei mit im Spiel
und Raffinesse schlauer.
So ist ein Blick ins Dekolleté
ein einzig Rätselraten.
Nach grober Schätzung, was ich seh,
kann ‚Mann‘ noch mehr erwarten.
Ich taxiere hin, taxiere her,
bin Busenfreund, in diesem Sinn,
in Bayern sagte man zu mir,
daß ich darum ein SPEZI bin.
VON DER FRAUSCHAFT
In die Phalanx der Männerschaft
sind Damen eingebrochen,
was lange als nicht schicklich galt
wird ihnen zugesprochen.
Auf gleichem Platz, mit selben Toren,
und nach den alten Regeln schauen,
da wird gewonnen und verloren,
auch von den Fußballfrauen.
Aber ganz oft fliegt langes Haar,
sind Bewegungen so schön grazil,
es wirkt das Grätschen wunderbar
und auch das Deckungsspiel.
Man(n) ist verzaubert - sehr,
und kann sich kaum helfen,
nicht bloß von deren Anzahl her,
schaut man gerne zu, den Elfen.
VOGEL-ESC
Die Amsel drosselt den Gesang,
weil eine Drossel schöner klang,
sie hat dann aber schnell erkannt,
macht nix, wir sind ja artverwandt.
Ich versuche mal das Lerchenlied
und senkrecht auf zum Himmel stieg.
Sie ächzt bereits auf halber Höhe,
ähnlich einer Nebelkrähe
und entscheidet sich im freien Fall,
doch für das Lied der Nachtigall
und sagt zu sich, klingt wunderbar:
Ich glaube, bald bin ich ein Star!
CHANCE VERTAN
Oh, du mein Himmelbett,
du daunenweicher Vorgeschmack,
auf mein kühles Reihengrab,
wenn ich dich nicht hätt‘.
So kuschle ich im Plümo gerne,
fürchte hier das Später kaum,
schließ die Augen für den Traum,
meiner Reise zu den Sternen.
Draußen tobt wie stets das Leben,
doch das Treiben und Rumoren
dringt nicht bis zu meinen Ohren,
kann mir keinen Auftrieb geben.
Ahnungslos, was das bedeutet,
kleb ich hier am Laken fest,
erliege hier der Leinenpest,
als der Geldbriefträger läutet.
UNTER GEIERN
Kommt ein Vogel geflogen
setzt sich nieder, frißt mein‘ Fuß,
hab zulang wie tot gelegen,
was ich mit ihm klären muß.
Er beginnt mich aufzubrechen
hat Innereien im Visier,
das muß ich noch besprechen,
falls ich nicht mein Herz verlier.
Er begibt sich Gen-Italien,
der scharfe Schnabel macht nervös,
seinen Hang zu Naturalien,
finde ich leider desaströs.
Schwebend über dieser Szene,
spür ich kein Weh und auch kein Ach,
da kommt noch die Hyäne,
das ist ja ein blöder Tag.
WECHSELJAHRE
Im Alter wechselt bei ihm und bei ihr,
die Haut von Seiden- zu Krepp-Papier.
Aus süßen Grübchen werden Gruben,
manch Gegenmittel gibts in Tuben.
Selbst schelmische Fältchen um die Augen,
können nun zum Canyon taugen.
Und das erschlaffte Unterfell
verändert die Konturen schnell.
Es gilt der einst so flotte Hengst,
inzwischen nur als Schreckgespenst
und die damals strohblonde Stute,
ist grau und geschrumpft, die gute,
macht nun leicht gebeugt Galopp
und alle hundert Meter stopp,
trabt weiter Richtung Altenheim,
zur Hengstparade am ‚Haus Sonnenschein‘.
MÄNNER (Tagtraum)
Vom Riesen bis zum Zwerg
das reinste Wunderwerk,
eine maskuline Pracht
hat die Natur hervorgebracht.
Symbiotisch paart sich Kraft
mit purer Leidenschaft.
Durch Energie und Empathie,
ausgezeichnet, dies Genie.
Zu breiter Brust und starken Händen,
steckt wahres Wunder in den Lenden,
von da aus startet jener Held,
seine Kopien in die Welt,
wo Fußball, Bier und Kriege,
garantieren seine Siege.
Da schallt es glockenhell durchs Haus:
Wann bringt der Herr den Müll nun raus?
VON GEIßEN UND GREISEN
Die Geißen klettern in den Felsen,
sind Hasardeure in der Wand,
brechen sich nicht ihre Hälse
und gefährden den Bestand.
Bei Greisen voller Harm und Gicht,
wenn die in den Bergen klimmen,
kann trotz größter Vorsicht nicht
immer diese Regel stimmen.
HOUSERUNNING
Nicht ganz ohne Grund
sind die Füße unten und
ein Berg aus Knochen oberhalb
bilden mühsam die Gestalt.
Aufrecht ohne schwanken
kann das Gestell sich halten,
wer kommt auf den Gedanken,
dies anders zu gestalten?
Nach unten plötzlich nichts,
außer des Gewichts,
da sträuben sich die Sinne,
das Herz hält plötzlich inne,
der Verstand fragt: ist das nötig?
Ist das nicht übermütig?
Für mich ist klar, beileibe,
ich wäre sogar unterfeige.
MIT SIEBZIG HAT MAN ...
Ab deiner siebten Dekade,
antwortet das Leben oft: Schade!
Für solch alte Wichte
ist das doch Geschichte:
Mit einem Bären ringen
und hohe Berge bezwingen.
Eine Kastanie pflanzen
oder den 'Moon-walk' tanzen.
Beim Ironman laufen,
einen Bausparvertrag kaufen.
Den starren Rücken beugen
und einen Helden zeugen.
Da schlägt man sich auf die Schenkel:
Dann schick mal Deinen Enkel !
AUF DEM WEIHNACHTSMARKT
Es riecht so herrlich nach Punsch,
im Herzen manch frommer Wunsch.
Beseelt von der heiligen Zeit
sind alle für Gutes bereit.
Hand-in-Hand, ergriffen wir schweben
zu Weihnachtsklängen durchs Leben.
Weit weg sind Sorg‘ und Rumor,
flüstere ich ihr etwas ins Ohr.
Da sagt sie: für solch schmutzige Wünsche,
braucht es noch einige Pünsche.
EINE FRAGE
Just an der Krummen Lanke,
gab es den dummen Gedanke,
wenn ich dich fragen täte,
heißgeliebte Margarete,
könnte ich, das wäre geil,
dein Bikini-Oberteil ...
Da hör ich bereits dein: Wehe!
Willst du, daß ich gehe!
Ich vergess den dummen Gedanke
und frag morgen einmal Anke.
ISEGRIM
Der Graue schleicht seit Ewigkeiten
durchs Unterholz, riecht seine Beuten.
Wie ein Mysterium, schattengleich,
huscht er durch sein Königreich.
Den scheuen Mensch, das treue Schaf,
bringt er um den sicheren Schlaf.
Wenn beim Geheul in Vollmondnächten,
nur alle an Grimm's Märchen dächten.
Denn was tun, ihm vis-a-vis!
Geschrei und Flucht tun's leider nie.
Es hilft der Märchentrick allein:
Bauch aufschneiden, Steine rein!
VON SUSE
Meine kleine Suse tut
alles reizend, lieb und gut,
ohne jeden Übermut.
Bedächtig und gelassen
schleicht sie durch alle Gassen,
kann jede Hektik hassen.
Kein aufgeregtes Wort jemals
verließ den süßen Damenhals,
wie oft bei anderen Femmes Fatals.
Beim Arbeiten und Essen,
kann sie die Zeit vergessen,
weilt in einem Traum stattdessen.
Freunde treffen zum Termin,
pünktlich unerreichbar schien,
„Ich habe ja nichts anzuziehen!“
In Liebe der Suse zugetan,
frage ich mich ab und an,
fehlt vor ihrem Namen Tran-?
HEILIGE RUH
Was brachte man von überall
nicht alles zu dem heiligen Stall.
Geschenke über Geschenke
stapelten sich an der Tränke,
kaum Platz noch für das liebe Vieh,
klein Jesus in der Krippe schrie.
Maria sagte: „Schluß damit“,
'myrrhesch' und entschlossen schritt
sie vor den Stall, um ungehalten,
den Stern dort droben auszuschalten.
Alsbald weihnachtliche Stille,
umgab die heilige Idylle.
SÜDSEEZAUBER
In der Lagune, himmelblau,
ist das Wasser mollig lau.
Ganz paradiesisch ist das Meer,
es tummeln sich gar Tümmler hier.
Lebensfroh wirkt alles gerade,
lockt ganz viele hier zum Bade.
Da ertönt ein Mordsgeschrei,
es war wohl doch ein Hai dabei.
GEISTIGER MORGENTAU
Die Stille ist betörend,
noch ist es draussen Nacht,
nichts die Gedanken störend,
nichts was dem Auge lacht.
So fließen die Gedanken
um alles und um nichts,
sind gänzlich ohne Schranken
und Basis dies Gedichts.
MANN OH MANN
Es ward kalt mir an den Schultern
und ich begann bereits zu poltern:
Scheiß Kälte hierzulande,
man sollte eh auswandern,
ganz steif wird man im Nacken,
ich geh die Sachen packen.
Gänsehaut hier, scheint‘s normal,
für mich ist das eine Qual!
Da sollten oben die was tun,
anstatt auf Kohle auszuruhen.
Neben Schulter, Nacken, nun ebenfalls,
schwoll mir jetzt auch noch der Hals.
Da sprach mein Schatz: Ach Lieber,
zieh dir doch einfach etwas über!
VOM PIEKSEN
Piekt mich der Narwal mit dem Horn,
reagier ich prompt mit Zorn,
ähnlich gehts, sticht mich der Hafer,
dann reagier ich auch nicht braver,
ist eine Mücke gar so dreist,
schlag ich sie zu Brei, zumeist
und alle Honigsammler*innen,
scheuche ich mit Macht von hinnen.
Eigentlich immer, wenn etwas sticht,
kenn ich meine Grenzen nicht.
Nun endet hier das Schimpfen,
habe noch den Termin zum Impfen.
LAUSIG, LAUSIG
Juckte es am Kopfe arg,
eine Laus sich dort verbarg,
gründete im Schuppenreich
eine Dynastie sogleich
und biß sich durch, beflissen,
samt ihren 'geheim-Nissen'.
Da aber kam der Läuserechen
und der Kopf begann zu sprechen:
Ob ich das alleine schaffe?
Laus mich doch der Affe!
DUMM GELAUFEN
Das Cembalo und deine Wimpern,
wie zufällig, gemeinsam klimpern.
Für mich ist das ein Zeichen
dir die Hand zu reichen,
zum Tanze hier, vielleicht noch mehr,
zu etwas unsittlichem Begehr.
Doch da zeigt sich Pech und Tücke,
ins Auge bloß, flog dir´ne Mücke.
ALTWEIBER
Hellau und Alaaf in allen Gassen,
Kostümierte allseits mit Frohsinn prassen.
Die Männer jedoch, verlieren die Macht
und 'alten Weibern' die Sonne lacht.
Mit Zepter und Krone für einen Tag,
machen sie närrischen Staatsvertrag.
Um Mitternacht die Mannsbilder lauern,
die Masken fallen, was viele bedauern
und manchmal hört man Damen sagen:
Wie Maske? Ich hab ich nie getragen!
STINKENDER PROTEST
Tierwohl ist in aller Munde,
die Tiere selber aber nicht,
verbreitet ist die frohe Kunde
über einen Fleischverzicht.
In Panik ist die Pflanzenwelt,
alles bislang so rosig schien,
als Hauptgericht nun oft bestellt,
kann keiner mehr entfliehn.
Ausgerupft ganz ungeniert,
zerhackt, gekocht, püriert,
wird es Zeit für den Protest,
der sich sicher riechen läßt,
kleine Rache die Konsequenzen,
sind Flatulenzen, Flatulenzen.
IM DUNKELN
Die Funzel glomm noch fein,
es strahlte wohl ihr letzter Schein,
oder ‚scheinte‘ gar ihr letzter Strahl?
Egal.
Es ward dunkel auf einmal.
Nun stand ich armer Wicht
anscheinend ohne Licht -
da.
GNÄDIG
Melden sich schon früh am Morgen
Kummer, Gram und neue Sorgen,
kaum bist du erwacht,
ein kleines Teufelchen dir lacht,
es gar auf deiner Schulter hockt
und dort heftig singt und rockt,
sei gnädig und salopp,
es macht auch nur seinen Job.
KAPITO - COMPRENDE
Frau Kowalczyk mit starrem Blick
und mit Fragezeichen im Gesicht,
schaut verstört zu mir zurück.
Frau K. versteht mich nicht.
Ich hebe an, mein Stimmniveau
und werde deutlich lauter,
sie wird daraus auch nicht schlau,
schaut keineswegs vertrauter.
‚Gaanz la-angsaam‘ nun und mürrisch:
Verstehn sie mich! Oder red ich polnisch?
Frau K. darauf, mit Grinsen im Gesicht:
Niestety nie! Leider tun sie das nicht!
RUHE, STILLE
Ruhe in der Bettengruft,
keiner deinen Namen ruft,
niemand der dich provoziert
oder die Geduld verliert.
Friede aus dem ‚Plümo‘ kriecht,
Tageskummer ist besiegt,
Pulverdampf hat sich gelegt,
Wunden werden nun gepflegt.
Liebe füllt das Schlafgemach,
in Dankbarkeit für diesen Tag,
denn Optimisten haben recht,
die Bilanz ist gar nicht schlecht.
Stille und geschlossene Lider,
Traumwelttore öffnen wieder.
Ein Mann mit Sichel sagt: Ahaaa,
ja, wen haben wir denn da?
WANNENBAD
Es qualmt und dampft hier nicht zu knapp
und an den kalten Fliesen,
rinnt es wie Schweiss herab,
zum Glück auch nur an diesen.
Ich selbst vermeide weitestgehend,
diesen Effekt im Leben,
meist durch Anstrengung entstehend,
will mir das nichts geben.
…. und passiert mir doch dieser Fauxpas,
dann bin ich ganz entkrampft,
ich mache mir ein Wannenbad,
bis es hier qualmt und dampft.
BACK TO THE ROOTS
Schauen sie gedanklich weg,
es geht hier nun um wahren Dreck:
Bei Straßen-, Stuben-, Blütenstaub,
und Hautschuppen, mit Verlaub,
auch Milbenkot und solchem Kram,
Reifenabrieb, Raucherqualm,
einem Gruß aus ferner Wüste,
der zu uns rüber wehen musste,
Spuren von Säge/Baustoffmehlen,
oft beim Handwerker nicht fehlen,
(auch Schnupftabak und Kokain,
gelegentlich bei ihr und ihm)
< All das muss die Nase klären,
für saub‘re Luft in Atemröhren.
Es hilft ja nichts, dann hinterher,
die Rückstände braucht keiner mehr.
Herausgebohrt und weggeschnippt,
bald wieder neuen Staub ergibt.