Fauna & Flora - Seite 4

FARBENLEHRE

Der Oktober bunt und rot,
Kartoffelkraut ist braun und tot,
die Scheuer gelb, voll Korn und Spreu,
der Bauer blau, dank Oktoberbräu.

Die Bauersfrau ist weiß, in Rage,
speit giftgrün aus, in die Silage.
Der Pfarrer kommt, sein Beutel blank
und sieht wohl schwarz, für Erntedank.

Derweil blühn Astern in Rabatten
in lila, gelb und in Manhattan,
Laubholz öffnet Herbstkampagne,
alles wird ocker und oranje.

…und gülden die Sonne niederfällt,
beendet Farbenspiel der Welt.
Schon zieht auf, das Grau der Nacht
und silbern dir das Mondlicht lacht.

VORSICHT LAUBWALD

Sturzgefahr im Blätterwald,
doch schau nicht auf den Boden,
hier droht dir die Gefahr alsbald,
ausnahmslos von oben.
Da stürzt abwärts, jedes Blatt,
das einst am Baum gehaftet hat.
Der wirft nun ab, den Laubballast,
von jedem Zweig und jedem Ast.
So haben Sturm und Schnee es licht
und Baumesäste brechen nicht.
Der Saft im Stamm jetzt überdauert
und auf den nächsten Frühling lauert.
Dann wird’s erneut gefährlich dort,
wenn Bäume schlagen aus vor Ort.

WETTER KOMMT AUF

Luft schmeckt bitter,
es riecht nach Gewitter,
der Äther verfärbt,
wie in Galle gegerbt,
Wolken wachsen empor,
als dunkles Höllentor,
am Horizont flackern auf,
Wetterleuchten zuhauf,
dumpfes Grollen rollt an,
auf der Himmels-Kegelbahn.
Wind bringt frische Kühle,
vertreibt Tagesschwüle,
hebt an bis zur Böe
den Straßenstaub in die Höhe.
Da kracht es ganz infernal,
taghell der Feuerstrahl,
ohrenbetäubender Krach,
klappernde Ziegeln am Dach.
Gott sei Dank, ich erbleiche,
es traf bloß die alte Eiche.

SOMMER DROGE - DROGE SOMMER

Wenn das Jahr zum Frühling reift,
Winterzeit ist abgestreift,
hell und warm die Tage werden,
dann ist Paradies auf Erden.

Die Natur ist hoch erquickt,
der Süden seine Boten schickt.
Gern sehn wir flattrige Gesellen,
über unsre Köpfe schnellen.

Gäste aus dem fernsten Reiche,
erleben hier die Tag-Nacht-Gleiche,
sind emsig und geschäftsbereit,
zu nutzen unsere Sommerzeit.

Und Ungefiederte von denen,
öffnen nun die Fensterläden,
alle Welt schreit jetzt ‚Hurra‘,
die ‚Eis-Dieler‘ sind wieder da!

KLARTEXT

Sehr verehrte Summseriche,
haltet euch fern von meinem Tische,
ansonsten, ich bin ehrlich,
wird das sehr gefährlich.
Schaut euch um im Garten hier,
das ist euer Stammrevier,
dort ist reich und sehr perfekt,
euer Gabentisch gedeckt.
An meinem Platz, das sage ich,
da bekommt ihr keinen Stich.

ERSTER SCHNEE IN NRW

Falbes Licht tropft in die Bleibe,
Eiskristalle an der Scheibe.
Weiße Flocken tanzen wirre,
die Luft ist scharf, voller Geklirre,
jede Pfütze eisgefroren,
der reine Anblick schließt die Poren.
Der alte Bollerofen glüht,
hat sich redlich abgemüht,
drin Wohlbehagen zu erzeugen,
Erfrierungen dort vorzubeugen.
Tannenzapfen, Hobelspan,
fachen seinen Hunger an,
es knackt und knistert und
flackert wild aus seinem Schlund.
Der Feuerschein streift die Gesichter
und Wintermenschen drängen dichter,
sind angespannt und flüstern leise:
Jetzt beginnt die Winterreise.

FLOCKIG REISEN

Gar hoch im grauen Wolkendom,
da knistert es vor Spannung schon,
denn in nassen, kalten Sphären,
erste Kristalle sich vermehren.

Schon die weißen Flocken steh‘n
zu ihrem Sprung bereit,
an der Rampe leichter Streit,
wer darf als Erster geh’n.

Die wilde Fahrt, hinab zur Erde,
voll Angst und Herzeklopfen,
wird nicht ungefährlich werden,
noch konkurrieren Regentropfen.

Ein Blick zur Nachbarwolke zeigt,
jetzt heißt es, sich zu sputen,
dort sind viele sprungbereit,
es geht nun um Minuten.

Da springt das erste Schneekristall
und viele, viele folgen ihm,
mit elegantem Tanz im Fall,
schwebt es so zum Boden hin.

Dort trifft es auf dem Trottoire
auf einen Artgenossen gar,
der ist aus Streusalz. Mist.
Worauf es prompt geschmolzen ist.

AM DEICH

Der stramme Wind von Nord
trägt jedes Schafe-Blöken fort,
sie selbst sich an den Lämmer freuen
und dabei eifrig wiederkäuen.
Da dringt abrupt von irgendwo
wildes Geschnatter an das Ohr.
Bevor man weiß, woher es kommt
und warum die Sonne nicht mehr sonnt,
sinkt eine Wolke Gänse nieder,
verdeckt Wiesengrün mit dem Gefieder
und ihr Geschrei hebt merklich an,
bis endlich jeder landen kann
und bald schon endet wildes Toben,
die Hälse senken sich zum Boden
und die Deichwiese wird gezupft,
gemeinsam auf Fasson gerupft.
Doch ein kleiner Schrecken ist genug,
die erste Gans hebt ab zum Flug
und alle wie im Zwang ihr folgen,
bilden schnatternd neue Wolken.

SOMMERGÄSTE

Nur schwarze Punkte am Firmament,
dann über den Köpfen im nächsten Moment.
In der Luft zu jagen ist ihr täglich Brot,
den Boden berühren der sichere Tod.
Nach wilder Hatz rund um das Dach
geht’s  in die Straßenschlucht hernach.
Ein Kreischen und ein himmlisch Gesaus,
die Meister der Lüfte kehren nach Haus,
wenn Sonne und Mond die Ablösung regeln,
dann sehe ich sie zur Mauer-segeln.

SPÄTSOMMER

Das Sommergrün, noch dominant,
Morgendunst hernieder schwebt,
die ersten Felder leergefegt,
es kriecht herbstlich übers Land.

Die Gäule ackern schwer am Pflug,
die Peitsche knallt mit scharfem Ton,
massive Leiber qualmen schon,
am Himmel erster Vogelflug.

Ein scharfer Wind von Norden weht,
die Sommerzeit zu Ende geht.
Über dem Lande lieget wie,
ein leichter Schatten - Melancholie.

IST JA REIZEND

Der Wind zerrt an den Segelohren,
wenn es an der Küste stürmt.
Gelüftet sind nun alle Poren,
schütteres Haar ist aufgetürmt.

Soeben Sonne hat gebrannt
und hinter Wolken vorgeschaut.
In kleinen Schlieren fliegt der Sand,
ist Peeling für die alte Haut.

Da meldet sich der Regenmacher:
dieses ist auch mein Revier!
Es fallen nach dem letzten Lacher,
nun dicke Tropfen in mein Bier.

Die halbe Welt schreit: wunderbar,
ist das hier nicht prima!
Genervt ist mir inzwischen klar,
es heißt nicht umsonst: Reizklima!

SOMMERTOD

Ich glaub der Amber ärgert sich,
er wird vor Wut schon rot.
Schön war’s und so sommerlich,
doch letzterer ist nun tot.

Nun hat der Herbst das Sagen,
ergreift farbenfroh die Macht,
verschönert uns das Klagen,
mit seiner Früchte Pracht.

Und für die Tageskürze,
mit verlornem Sonnenschein
tritt nun die Herbstes-Würze,
mit frischem Sauser* ein.

* Federweißer

HERBSTGOLD

Sonne tief und weit im Westen.
Bäume werfen lange Schatten
und die Blätter von den Ästen.
Bauersleut die Samen hatten,
feiern nun mit Erntefesten.
Sagen dort: Natur, gestatten,
wollten deine Gnade testen.
Wieder mal sind wir die Satten
und dank dir die allerbesten.

Ruhe nun in Winterzeiten
bis zum Lenz in unseren Breiten.
Goldener Herbst du bist parat,
strahlst für mich mit viel Karat.

SOMMERZEIT

Komm nur, kleine Schwalbe, fliege,
bring die Wärme mir zurück,
damit ich endlich wieder kriege,
dieses kleine Sommerglück.

Denn es zieht mich nicht umsonst,
in die Sonne, in den Süden,
woher du ja gerade kommst
und bist auf Zeit von dort geschieden.

Laß uns Sehnsuchtsorte tauschen,
jeder seines Glückes Schmied,
damit die Sinne sich berauschen,
keiner seine Träume mied.

So wollen wir die Zeit genießen,
für ein paar Wochen, dieses Glück,
am Ende aber nicht verdrießen,
wenn es geht, wieder zurück.

AUSGEZOGEN - NEST VERFLOGEN

Die erste Schwalbe schreiend sucht,
noch einsam in der Straßenschlucht.
War sie zu schnell, oder zu kühn,
ganz alleine loszuziehn?
Jetzt ist Zeit um nachzuschauen,
am alten Nest etwas zu bauen,
in Beschlag zu nehmen, was mal war,
ihr Zuhaus‘ im letzten Jahr.
Alsbald der Nächste trudelt nun ein,
sucht seinen alten Schwalbenschrein,
und wirkt entrüstet und entsetzt:
der ist von einem Spatz besetzt!